65 Jahre Massenflucht von Böseckendorf

An die Massenflucht aus Böseckendorf vor 65 Jahren, als über 50 Menschen der DDR gemeinsam den Rücken kehrten, erinnert das Grenzlandmuseum mit mehreren Veranstaltungen:
Am Donnerstag, dem 1. Oktober, werden in der Bildungsstätte am Grenzlandmuseum Ausschnitte der MDR-Dokumentation „‘Wir wollten nur noch raus!‘ – Ein Dorf flieht in den Westen“ gezeigt. Vor und nach der Vorführung ordnet Georg Klingebiel, ein der letzten Zeitzeugen der Flucht, die Geschehnisse zusammen mit Museumsleiterin Mira Keune für das Publikum ein.
Die Veranstaltung beginnt um 19:00 Uhr. Sitzplätze sind nur begrenzt verfügbar, eine Anmeldung unter bildungsstaette@grenzlandmuseum.de wird empfohlen.
Am Samstag, dem 3. Oktober 2026, lädt das Grenzlandmuseum dann zu einer Wanderung auf den Spuren der Geflüchteten aus Böseckendorf ein. Treffpunkt ist um 11:00 Uhr die Ortsmitte von Böseckendorf. Die Wanderung entlang der ehemaligen Fluchtroute dauert rund zwei Stunden.
Die Teilnahme an beiden Veranstaltungen ist kostenfrei.
Weitere Informationen zur Aktion Festigung und der Massenflucht von Böseckendorf:
Mit der „Aktion Festigung“ begann am 3. Oktober 1961 die zweite große Zwangsaussiedlungswelle aus dem Grenzgebiet der DDR. Dabei wurden Menschen, die als politisch oder gesellschaftlich „unzuverlässig“ galten, zwangsweise aus Grenzgemeinden ins Landesinnere umgesiedelt. Rund 3.175 Menschen aus etwa 920 Familien waren von diesen Repressionsmaßnahmen betroffen. Sie mussten ihre Häuser oft innerhalb weniger Stunden verlassen und wurden an ihnen zugewiesene Orte gebracht. Um einer möglichen Zwangsaussiedlung zu entgehen flohen 14 Familien in der Nacht vor dem 3. Oktober quasi in letzter Minute aus Böseckendorf in die Bundesrepublik.
Bild: Grenzlandmuseum Eichsfeld · CC BY 4.0